Gartenbau in der Großstadt Wien

Wie bekannt, ist Wien nicht nur Bundeshauptstadt sondern zugleich auch das kleinste Bundesland Österreichs mit einer Fläche von 415 km2 oder 41.500 ha. Hervorzuheben ist, daß Wien eine der grünsten Metropolen Europas ist. 19.834 ha, das ist nahezu die Hälfte der Gesamtfläche, sind als Grünzonen ausgewiesen. Davon werden 6.600 ha landwirtschaftlich bewirtschaftet. 569 ha landwirtschaftliche Nutzung entfallen auf den Gartenbau, dessen Hauptproduktionssparte in Wien der Gemüsebau ist.
 
Wien ist somit nicht nur eine Gartenstadt, sondern auch ein Gartenbauzentrum Österreichs. 2004 ergab eine Erhebung des Statistischen Zentralamtes, daß der Österreichische Gartenbau 1.444 Betriebe umfaßt, wovon sich 347 in Wien befinden.
 
Wien ist wohl das kleinste, jedoch mit 1,6 Mio. Einwohnern das bevölkerungs-reichste Bundesland. Daher ist die gesicherte Versorgung Wiens mit Gartenbau-produkten, vor allem mit frischem Qualitätsgemüse, von anerkannter Bedeutung. 235 Gemüsegärtnereien, mit einer jährlichen Produktion von 50.000 Tonnen, decken zu 60 % den Frischgemüsebedarf der Bundeshauptstadt.
 
Der Wiener Gemüsebau hat auch im europäischen Wettbewerb alle Chancen
 
Der Werbeslogan "Typisch wienerisch - immer erntefrisch" erscheint daher sicher nicht überzogen, da die Gemüsegärtner von Wien und Umgebung mit Hilfe heizbarer Gewächshäuser im Ausmaß von 160 ha zu jeder Jahreszeit Frischgemüse bester Qualität auf den Markt bringen. Für die Wiener Bevölkerung ist dies zu einer geschätzten Selbstverständlichkeit geworden.
 
Geschlossene Produktionsgebiete findet man trotz einer ständigen Stadterweiterung noch immer in Simmering, Kaiser-Ebersdorf, Albern und verschiedenen Gebieten des 21. und 22. Bezirkes. Die Gärtnersiedlung Eßling, gegründet vor 40 Jahren, hat sich inzwischen zu einem Schwerpunkt des Wiener Gartenbaues entwickelt. Zahlreiche Absiedlungsbetriebe fanden dort eine neue Heimat. Ein Problem in Wien ist, daß rund 1/3 der gärtnerischen Betriebsflächen Pachtgründe sind. Diese Pachtbetriebe sind besonders absiedlungsgefährdet. Daher war 1967 die Schaffung der Gärtnersiedlung Eßling von außerordentlicher Bedeutung.
 
Mit Sorge muß die Abnahme der Betriebsanzahl, bedingt durch die Ausweitung der Großstadt, umfangreiche Verkehrsbauten und Projekte im öffentlichen Interesse, festgestellt werden. Eine Bestandssicherung des Wiener Gartenbaues ist daher ein besonderes Anliegen, nicht zuletzt im Hinblick auf eine auch in Krisenzeiten garantierte Versorgung der Wiener Bevölkerung mit Frischgemüse.
 
Um einige Beispiele der erheblichen Gemüsemengen, die in Wien erzeugt werden, anzuführen, sei erwähnt, daß jährlich rund 40 Mio. Stück Gewächshausgurken geerntet werden. Außerdem werden 15 Mio. Stück Paprika, 25 Mio. Stück Salate und 120 Mio. Bund Radieschen erzeugt. Daneben spielen auch noch 17.000 Tonnen Paradeiser, erhebliche Mengen Kohlrabi, Schnittlauch, Schnittpetersilie, Dille und Vogerlsalat eine nicht unbedeutende Rolle.
 
Im Freiland sind vor allem Karfiol, diverse Salate, Kohlrabi, Sellerie, Porree und Kohl als Hauptkulturen zu nennen. Freilandgemüse wandert aus Ertragsgründen mehr und mehr in den Feldgemüsebau ab.
 
Die Wiener Gemüsegärtner haben eine beachtliche Tradition. Viele dieser Betriebe können auf einen Bestand von mehr als hundert Jahren zurückblicken. Meist waren es weichende Bauernsöhne aus dem Waldviertel, die nach Wien zogen und unter schwierigsten Bedingungen und gestützt auf sehr bescheidene finanzielle Mittel, mit dem Gemüseanbau begannen.
 
Inzwischen wurden aus meist kleinflächigen Freilandgemüsegärtnereien kapital-intensive Unternehmen, deren Sorgen durch die Schwierigkeiten, die sich aus dem EU-Beitritt ergeben, nicht geringer geworden sind.
 
Erschwert wird diese Situation seit 1995 durch einen Preisverfall von 40 % und zunehmende Absatzschwierigkeiten, da der Konkurrenzdruck anderer EU-Länder wie Spanien, Italien aber auch der Niederlande, sich durch den Wegfall der 3-Phasenregelung bei Gemüseeinfuhren vervielfacht hat. Große Sorgen bereiten auch den Gemüseproduzenten die unzumutbaren hohen Energiepreise, die kaum verkraftbar sind.
 
Trotz rückläufiger Betriebszahl Produktion gesteigert
 
Neue Gewächshausanlagen wurden für eine rationelle Gemüseproduktion errichtet, so daß trotz einer rückläufigen Betriebszahl die Produktionskraft gleichgeblieben ist und die Erzeugung von Früh- und Feingemüse in den letzten Jahren sogar wesentlich gesteigert werden konnte.
 
Auch in fachlicher Hinsicht haben die Betriebsführer durch ständige Weiterbildung alles unternommen, um das geistige Rüstzeug für eine moderne Betriebsführung und damit verbundene Qualitätsverbesserung bei der Gemüseproduktion zu erlangen.
 
Die Chancen, die sich aus einer ständigen Qualitätsverbesserung ergeben, haben die Wiener Gemüsegärtner voll erkannt. Ab 1995 erfolgte der Einstieg in die kontrollierte Integrierte Produktion (IP).
 
Die Computersteuerung der Wachstumsfaktoren wurde in den Gewächshäusern zur Selbstverständlichkeit und umweltschonende Substratkulturen, die eine Ertrags-steigerung bei gleichzeitiger Überwindung von Bodenmüdigkeitserscheinungen ermöglichen, haben sich in vielen Betrieben ausgezeichnet bewährt.
 
Die Bewässerung der Gemüsekulturen erfolgt mit wassersparenden Methoden. Die Höhe der Wassergaben werden der Pflanzenart, dem Wachstumsstadium, dem Zustand des Bodens und dem Klima (Witterung) angepaßt. Stickstoffgehalts- analysen bei Gieß- und Grundwasser erfolgen jeweils vor Kulturbeginn.
 
Um Pflanzenschutzmaßnahmen auf ein Minimum zu reduzieren zu können, wird von den Wiener Gärtnern auf die Durchführung kulturtechnischer Maßnahmen gegen Schaderreger und Krankheiten bei Gemüse besonderer Wert gelegt. 1995 ging in Wien-Simmering die Österreichische Nützlingszuchtstation Biohelp in Betrieb. Neben der Forcierung von natürlichen Ressourcen und Regulationsmechanismen ist die biologische Schädlingsbekämpfung ein wesentlicher Faktor der Integrierten Gemüseproduktion. Durch den Einsatz von Nützlingen kann vor allem in Gewächs-häusern der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel wesentlich reduziert werden, wodurch dieses Gemüse und andere Gartenbauprodukte von besonderer Qualität sind. In verstärktem Maße wird dadurch der zunehmenden Sensibilisierung der Konsumenten in bezug auf Gesundheit und Umwelt entsprochen.
 
Durch die Nützlingszuchtstation Biohelp werden jährlich 21 verschiedene Nützlinge, klimaangepaßt und ohne von Importen abhängig zu sein, in einer Menge von 38 Mio. Stück an Gärtner, darunter viele Gemüseproduzenten, geliefert.
 
Gütesiegel für Wiener Qualitätsgemüse
 
Vom Erzeuger weg sind jedenfalls Qualität und Frische des in Wien produzierten Gemüses so beachtenswert, daß dieses mit dem Gütesiegel der Stadt Wien ausgezeichnet wurde. Bei großangelegten Untersuchungen wurde ein sehr erfreuliches Ergebnis erzielt. Durch das Marktamt der Stadt Wien wurden Gemüseproben gezogen, wobei die Lebensmitteluntersuchungsanstalt feststellen konnte, daß bei diesen der Gehalt an Cadmium, Blei und Nitraten weit unter den Grenzwerten lag. Es handelt sich dabei um eine mehrmals im Jahr wiederholte Reihenuntersuchung nach dem Monitoring-system, die deutlich beweist, daß Wiener Gemüse keine gesundheitsgefährdeten Rückstandsbelastungen aufweist und diesbezüglich mit Gemüse aus industriefreiem Gebiet, z. B. dem Seewinkel, vergleichbar ist.
 
Die Durchschnittsgröße der in Wien ansässigen Gartenbaubetriebe beträgt 1,5 ha. Es handelt sich somit um keine Massenproduktion, sondern um Betriebe auf Familienbasis, in denen Gemüseproduktion in erster Linie auf Qualität ausgerichtet ist.
 
Untrennbar mit dem Geschick dieser Betriebe ist die LGV-Frischgemüse Wien verbunden. Es handelt sich dabei um die größte, genossenschaftliche Gemüsever-marktungsorganisation Österreichs. 1930/31 zur Verbesserung der damals katastrophalen Absatzsituation geschaffen und 1946 wieder gegründet, hat sie seither mit den Anforderungen der Zeit und ihrer Mitglieder stets Schritt gehalten. Im Jahr 2006 konnte die LGV Frischgemüse Wien Ihr 60 – jähriges Bestandsjubiläum feiern. Diese bedeutende Vermarktungsorganisation hat intern laufende Kontrollen installiert, um einen besonders hohen Qualitätsstandard Käufern und Verbrauchern garantieren zu können.
 
75 % des in Wien und Umgebung erzeugten Gemüses werden über die LGV-Frischgemüse Wien vermarktet, was einer Menge von rund 50.000 Tonnen entspricht. 1995 wurden genossenschaftsintern zur Qualitäts-steigerung Sortier- , Verpackungs- und Produktionsrichtlinien erlassen, die über den EU-Standard hinausgehen.
 
Um in jeder Hinsicht diesen Anforderungen gerecht zu werden und ihren Mitgliedern beste Voraussetzungen für einen erfolgreichen Gemüseabsatz zu schaffen, wurden 1996/97 neue Vermarktungsanlagen in Simmering und Raasdorf durch die LGV-Frischgemüse Wien errichtet.
 
Absatzbemühungen auf genossenschaftlicher Basis sind für Mitglieder, die kleinflächige Betriebe besitzen, von besonderer Bedeutung.
 
Mehr als 80 % des in Wien produzierten Gemüses werden von 5 Handelsketten, wobei 2 davon zusammen einen Marktanteil von nahezu 60 % haben, vermarktet
8 % werden durch den Kleinhandel abgesetzt und 4 % in Form der Direktvermarktung.
 
Diese Konzentration der Nachfrage erfordert eine Konzentration der Produktion und des Angebotes , die der einzelne Betrieb nicht erbringen kann.
 
Nur eine Gemüseproduktion, die in harmonischem Zusammenwirken mit einer leistungsstarken Vermarktungsorganisation abgesetzt werden kann, ermöglicht eine langfristige Sicherung der Existenzgrundlage der Erzeuger.
 
Durch die seit 1992 bestehende Kooperation Sonnenregion Ostösterreich mit Produzenten aus dem Seewinkel kann den Nachfragebedürfnissen des Handels nach marktnah produziertem, reif geerntetem Gemüse in einheitlicher Qualität und Aufmachung von entsprochen werden. Darüber hinaus war es dadurch möglich, nach dem EU-Beitritt den süddeutschen Raum für den Gemüseexport zu erschließen.
 
Der auf einer 120jährigen erfolgreichen Tradition aufbauende Wiener Gemüsebau hat reelle Chancen auch im europäischen Wettbewerb zu bestehen, wenn er Tradition nicht nur als ein Verweilen im Bewährten, sondern auch als Grundlage für zukunftsorientierten Fortschritt sieht. Der Konsument sucht seit dem EU-Beitritt stärker den je österreichische Qualität und Frische und es bleibt zu hoffen, daß unsere Handelsketten diesem Bedürfnis entsprechen und vor allem die Kenn-zeichnung der Produkte im Gemüseregal hinsichtlich deren Herkunft besonders hervorheben.
 
Der Wiener Blumen- und Zierpflanzenbau ist zukunftsorientiert
 
In Wien befassen sich 100 Blumen- und Zierpflanzenbaubetriebe, wobei produzierende Friedhofsgärtnereien in dieser Zahl miteingeschlossen sind, mit der Kultivierung von Schnittblumen, Topfpflanzen und Beetpflanzen. Es handelt sich dabei vorwiegend um Produktionsbetriebe, die von der enormen Reduktion der Erzeugerpreise seit 1995 schwer betroffen sind. Die mit dem EU-Beitritt versprochene Verbilligung der Betriebsmittel läßt bis heute auf sich warten. Im Gegenteil, der heimische Gartenbau muß wesentlich höhere Erzeugerpreise bezahlen als andere EU-Länder mit maßgeblicher Gartenbauproduktion, was Blumen- und Zierpflanzenbaubetriebe besonders hart trifft. Für Produktionsbetriebe ist das mehr als problematisch, da sich diese einer enormen Konkurrenzverzerrung gegenübersehen.Wettbewerbsfähigkeit ist nur dann gesichert, wenn sich die Produktionskosten des heimischen Gartenbaues und der anderen Länder des europäischen Wirtschaftsraumes auf annähernd gleicher Ebene bewegen.
 
Es ist naheliegend, daß sich bisher Familienbetriebe am krisenstabilsten erwiesen haben. Durch den zeitweiligen Verzicht auf Privatentnahmen und eine Anpassung der betriebswirtschaftlichen Erfordernisse, ist der Bestand jener Familienbetriebe derzeit noch gesichert, die rechtzeitig den Betriebsausbau forcierten. Schwierigkeiten wirtschaftlicher Natur sind durch die besorgniserregende Entwicklung zwischen Erzeugerpreisen und Gestehungskosten auch hier in stark zunehmendem Maße vorhanden. Auch bei Betrieben, die bereits einen Ausbau erreicht haben, der ihrem Flächenausmaß und dem gegebenen Arbeitskräftebesatz optimal entspricht, ist ein Teil der Gewächshausfläche überaltert, was größere Investitionen erfordern würde, um die zeitbedingte Abnützung der Betriebsein-richtungen ausgleichen zu können.
 
Sowohl eine computergesteuerte Regelung verschiedener Wachstumsfaktoren, als auch entsprechende Einbauten, die einen Mehrertrag ermöglichen, lassen sich in veralteten Gewächshäusern nicht kostengünstig realisieren. Da Eigenkapital in allen Betrieben des Wiener Gartenbaues knapp geworden ist, erscheint eine Anpassung der Förderung zur Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit dringend erforderlich.
 
Mut zum Fortschritt - Voraussetzung für den betrieblichen Erfolg
 
Den Wiener Blumen- und Zierpflanzenbaubetrieben ermöglicht eine Gewächshaus- fläche von 250.000 m², daß auch während der Wintermonate eine ununterbrochene Marktbelieferung erfolgt. Dadurch wird in floristischer Hinsicht eine fortlaufende Kundenbetreuung gewährleistet. Modernste Produktionsmethoden, mit Hilfe computergesteuerter Gewächshäuser bzw. der Einsatz von Substrakulturen haben sich durchgesetzt, wobei gegebene Förderungsmöglichkeiten das Fortschrittsdenken zweifellos äußerst positiv beeinflussten. Der Mut zum Fortschritt ist gerade in einer wirtschaftlich labilen Zeit die Voraussetzung für den betrieblichen Erfolg.
 
Die Wiener Blumen- und Zierpflanzenbaubetriebe erzeugen jährlich mehrere Millionen Schnittblumen und Topfpflanzen. Unter Glas ist - in einer Vielzahl an Sorten und Arten - die vorherrschende Schnittblume die Rose. Aber auch Chrysanthemen, Edelnelken, Iris, Lilien, Löwenmaul, Gerbera und Blumenzwiebelschnittblumen werden in erheblichen Mengen und ausgezeichneter Qualität produziert. Die Freilandnutzung erfolgte mit Violen, Schnittstauden, Rosen, Gladiolen und Schnittgrün für floristische Zwecke.
 
Bei Topfpflanzen sind besonders Pelargonien, verschiedene Beet- und Balkonpflanzen, Cyclamen, Primeln, Weihnachtssterne, Topfchrysanthemen, Gloxinien, Azaleen, Hortensien und Elatiorbegonien zu nennen.
 
Konnte bisher trotz stark fühlbarer Abnahme der Betriebe die Produktionskraft des Wiener Gartenbaues durch innerbetriebliche Strukturverbesserungen und Rationalisierungsmaßnahmen noch gesteigert und die Produktion den Markt-bedürfnissen besser angepaßt werden, ist nun der Zeitpunkt gekommen, der dringend erfordert, daß bei der zukünftigen Stadtplanung die Bestandssicherung des Gartenbaues noch mehr als bisher Berücksichtigung findet. Weitere durch Absiedelungen hervorgerufene Betriebsverluste würden sich auf die Versorgung der Bundeshauptstadt mit Qualitätsgartenbauprodukten zweifellos nachteilig auswirken.
 
Von diesen internen Problemen abgesehen, kann die Entwicklung der Wiener Blumen- und Zierpflanzenbaubetriebe trotz einer zunehmend schwieriger werdenden Wirtschaftslage durchwegs als positiv bezeichnet werden.
 
Marketing und Werbung - unerläßlich für den Betriebserfolg
 
Dies kam in den letzten Jahren auch bei der Internationalen Gartenbaumesse in Tulln sowie bei der BOTANICA 96 und der BOTANICA 2000, Gartenschauen besonderer Art, die jedesmal an die 100.000 Besucher in der Wiener Stadthalle in ihren Bann zogen, deutlich zum Ausdruck. Die hohe Qualität der Wiener Exponate fand allgemein volle Anerkennung und Bewunderung.
 
Seit 1976 werden alljährlich im April und Mai Blumenmärkte in allen Wiener Bezirken abgehalten, um so der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, ortsnah Fenster- und Balkonblumen erstehen zu können.
 
Das Blumenbüro Österreich unterstützt durch ein umfassendes Werbeprogramm auf Bundesebene auch die Produktionsbemühungen der Wiener Erzeuger. Die Auswirkung einer Werbung ist ziffernmäßig zwar schwer erfaßbar - aber was wären Valentinstag, Muttertag und andere Festtage ohne die intensiven Werbeaktionen der Österreichischen Blumenwerbung? Nicht vergessen darf bei dieser Gelegenheit das Neujahrskonzert werden, das den blumengeschmückten Musikvereinssaal via Fernsehen der ganzen Welt präsentiert. Gärtner, Floristen und Blumengroßhandel tragen gemeinsam dies Werbemaßnahmen des Blumenbüros Österreichs Blumenwerbung - eine wirklich zukunftsorientierte Zusammenarbeit.
 
Der 1969 geschaffene Blumengroßmarkt in Wien-Inzersdorf wurde durch die Errichtung witterungsunabhängiger Ladenhallen zu einem für die Wiener Produzenten bedeutenden Absatzzentrum für Blumen und Zierpflanzen, dessen Einzugsbereich über Wien hinausreicht. Jedes Jahr werden von der Markt gemeinschaft Floristentage abgehalten, um auf die Angebotsfülle dieses Großmarktes besonders hinzuweisen. Natürlich ist damit auch eine individuelle Kundenbetreuung verbunden.
 
Um auf die besondere Qualität der heimischen Blumen und Zierpflanzen hin-zuweisen und diese auch sichtbar zu kennzeichnen, wurde von Wiener Funktionären die Idee für das Markenzeichen "Österreich Blumen" verwirklicht. In fast allen Blumengeschäften, bei floristischen Veranstaltungen und Ausstellungen, begegnen wir dem Qualitätszeichen der "Österreich Blumen". Bei der Gartenbaumesse in Tulln und auch bei den Gartenschauen BOTANICA 1996 und BOTANICA 2000 stand dieses Qualitätszeichen im Mittelpunkt.
 
Ob Betriebsgestaltung, marktorientierte Produktion, Marketing und Werbung, der Wiener Blumen- und Zierpflanzebau ist in seiner Entwicklung zukunftsorientiert. Dadurch sollte bisher Erreichtes erhalten werden können, um so dem ständig wachsenden Konkurrenzdruck des Auslandes erfolgreich zu begegnen, soferne es endlich gelingt, gleiche Wettbewerbsbediengungen auf internationaler Ebene zu schaffen.
 
Die Wiener Baumschulen befassen sich vorwiegend mit der Kultur von Ziergehölzen und Sträuchern. Die meisten verfügen auch über ein gut sortiertes Staudenangebot. Qualitätsware, moderne Verkaufseinrichtungen (Gartencenter) und entsprechendes Kundenservice bewirken, daß die Wiener Baumschulen einen sehr guten Ruf besitzen.
 
Bestandssicherung der Betriebe hat Vorrang
 
Die beachtenswerte Entwicklung des Wiener Gartenbaues wurde durch mehrere Faktoren maßgeblich beeinflußt. Vor allem trafen die Betriebsführer gewaltige Anstrengungen, um eine innerbetriebliche Strukturverbesserung zu erzielen und die Konkurrenzfähigkeit zu steigern. Ohne Förderungsmaßnahmen des Bundes-ministeriums für Land- und Forstwirtschaft und des Landes Wien wäre diese positive Entwicklung unmöglich gewesen.
 
Dem Bedarf der Betriebe angepasst, trugen arbeitssparende Maschinen und Geräte und eine Computersteuerung der Gewächshäuser dazu bei, den hohen Stand der Technisierung zu erreichen. Aus Umweltgründen ist auch der Anschluss zahlreicher Simmeringer Gartenbaubetriebe an das Wiener Fernwärmenetz sehr positiv zu werten. In technischer Hinsicht haben viele Betriebe bereits einen beachtlichen Stand erreicht, wobei Einrichtungen zur Senkung des innerbetrieblichen Transportaufwandes, dessen Kosten nicht unterschätzt werden sollten, entsprechende Beachtung fanden. Ein ganz wesentliches Thema ist die Energiebereitstellung. Im Hinblick auf die hohen Ölpreise und die Versorgungsunsicherheit trachtet der Österreichische Gartenbau allmählich von fossilen auf erneuerbare Energieträger umzustellen.
 
Zahlreiche Gartenbau-Fachexkursionen, Fachtagungen, Kurse, Vorträge und Betriebsberatungen fanden in all den Jahren, die durch die Intensivierung der Betriebe geprägt waren, äußerst regen Zuspruch. Neben der Wiener Landwirtschaftskammer haben sich in enger Zusammenarbeit bei der Schulungs- und Beratungstätigkeit die gärtnerischen Fachorganisationen, vor allem die
"Die Wiener Gärtner - Landesgartenbauvereinigung Wien", nachhaltige Verdienste erworben.
 
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der positiven Entwicklung des Wiener Gartenbaues steht außer Frage. Es ist daher zu hoffen, dass durch verstärkte Berücksichtigung bei der künftigen Stadtplanung eine Bestandssicherung der Gartenbaubetriebe gewährleistet und durch Maßnahmen der öffentlichen Hand Chancengleichheit ermöglicht wird. Zum Wohle der Großstadt und ihrer Bevölkerung sollte Wien auch in Zukunft als bedeutendes Zentrum des Österreichischen Gartenbaues bezeichnet werden können.


16.10.2007