Das war der Tag der grünen Lehre 2015

Handeln wird sichtbar - durch Werkstücke
Siegerehrung Tag der grünen Lehre: von links Lukas Bettinger Marie Tschürtz Krainer Celine Rotnik Melanie Krenn Silvia Ringbauer © Berufsschule für Gartenbau und Floristik WienGalerie
Ungefähr 350 begeisterte Besucher folgten der Einladung am 23. Oktober 2015 zum Tag der grünen Lehre im Oktober an der Berufsschule für Gartenbau und Floristik in Wien. Eine Art Leistungsschau mit abschließender Brautstraußshow spannte einen Bogen über die Vielseitigkeit der grünen Berufe.

Gekommen waren Klassen diverser Schulen mit Schüler/innen, die im Berufsfindungsprozess stehen, Verwandte der Schüler, Ausbildner, Arbeitskollegen, Vertreter der Innungen, der Arbeiterkammer, des Stadtschulrates und Medienvertreter. Spezielle Führungen und Aktivitäten wie laminieren, Stecklinge schneiden, malen mit Acrylfarben, Blumen stecken, u.v.m. gab es für Schüler/innen aus Schulen mit berufsorientiertem Schwerpunkt.

In den offenen Werkstätten wurde rege diskutiert und gearbeitet. Die Feinmotorik war natürlich der rote Faden durch alle angebotenen Tätigkeiten. Aus einem Band eine traditionelle Masche zu binden, ist eine Herausforderung. Aus getrockneten Blütenblättern und Samenständen ein Lesezeichen zu laminieren braucht neben Geduld und Farbgefühl auch eine ruhige Hand. Der Acrylworkshop braucht neben den Materialien vor allem umsetzbare Ideen. Respekt vor der Natur ist die Voraussetzung, wenn Stecklinge geschnitten werden. Insgesamt standen den lernwilligen Gästen 140 Schüler/innen (1. bis 3. Ausbildungsjahr) auf 12 interaktiven Stationen mit Rat und Tat zu Verfügung.
Das Interesse war groß und die Chance auf junge Menschen, die sich für den Beruf entscheiden werden, ist gestiegen.

Der Höhepunkt war die Präsentation der Brautsträuße in einer professionellen Bühnenshow. 40 Schüler/innen der Abschlussklassen wurden in die Verantwortung genommen.
Die Aufgabenstellung: Idee, Entwurf, Skizze, Kalkulation, Einkauf; Ausführung in Technik und Gestaltung und Präsentation einen Brautstraußes.

Angefertigt wurde ein bunter Reigen an Brautsträußen und an Brautschmuck. Die klassischen ‚Runden‘ wurden durch außergewöhnliche Blumenkombinationen zum Eyecatcher, Varianten von abfließenden und allerhand Taschen, Schirme, Muffs, Spindeln u.v.m. Wir werden oft Künstler genannt – nun ja – ein Künstler ist jemand, der sich von einem präzisen Techniker (Maler, Schneider, Tischler…) hin zu einem schöpferischen Gestalter bewegt (Kunstmaler, Designer, Kunsttischler). Die Grundlage ist unumstritten und zwingend ein solides Handwerk. Erfolge gibt es allerdings auch fern dieser Basis – und findet natürlich auch seine geblendeten Konsumenten. Es ist legitim, sich als Konsument entweder für die Masse, bzw. für die Qualität zu entschieden. 

Jeder wirtschaftlich denkende Produzent und Händler trifft die Entscheidung, ob er ein Massenprodukt oder ein Qualitätsprodukt anbietet. Der Handwerker trifft diese Entscheidung allerdings nicht, denn das Handwerk selbst ist schon die Entscheidung für Qualität. Masse ist auf der anderen Seite von Handwerk und individueller Gestaltung.

Eine Parallelwelt des Scheins bedarf und verlangt immer lauter nach dem Sein. Dem Soliden, dem Stillen, dem Herzblut. Aber wie richten wir auf diese Stille das Licht? Wie werden wir wahr genommen in unserem Wirken? Was macht uns bekannt? So bekannt, dass unser Image wieder steigt, wir attraktiv für den Konsumenten und für neugierige Jugendliche werden? So bekannt, dass wir nicht übersehen werden? Die Masse soll es gar nicht sein, sondern die Schätzer unseres Tuns. Anhebung von Image basiert schon auch im Großen. Das Große besteht aus vielen Teilen.

Wenn die Berufsschule für Gartenbau und Floristik in Wien ihre Türen zu den Werkstätten aufmacht, ist das so ein kleiner wichtiger Teil. Wenn die Kunden den Blick in die Werkstatt werfen ist das auch so ein kleiner wichtiger Teil. Kaum ein Handwerk ist so vielseitig. Kaum ein Rohstoff ist unverarbeitet schon so verzaubernd.
( verfasst von Marie-Therese Krainer)


23.11.2015